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Wanderlust – Cenoten - Tauchen in den Höhlen der Maya

Heute beginnt deine Reise zu den besten Tauchspots der Welt. Lehn dich zurück, nimm dir 5 Minuten Zeit und besuche mit uns jeden Monat neue, begeisternde Fernwehziele. Der Wanderlust T-Shirt Club entführt dich an endlose Traumstrände, in türkisfarbenes Wasser, zu verborgenen Wracks, in sagenhafte Höhlen, zu faszinierenden Menschen. Unsere Geschichte startet in Mexiko, auf der Halbinsel Yucatán. Dichter Dschungel, riesige Pyramiden und zahllose Höhlen warten auf neugierige Entdecker. Das Abenteuer beginnt.
Matthias Heine
04.07.20 10:15

Dicke Regentropfen prasselten auf das Pickup Dach. Tim drehte sich um und schaute nach seiner Ausrüstung, die auf der Ladefläche verzurrt war. „Die wär eh gleich nass geworden“ bemerkte Maya mit einem breiten Grinsen. „Davon habe ich mein Leben lang geträumt“ erwiderte Tim. „Nass zu werden?“, fragte Maya. „In einer Cenote zu tauchen!“, sagte Tim.

Der Pickup bahnte sich seinen Weg über die holprige Dschungelpiste. Links und rechts bogen sich die Blätter der Bäume unter dem tropischen Regenguss. Tim kurbelte sein Fenster herunter und atmete mit geschlossenen Augen tief ein. „Schau doch nur“ sagte Maya. Ein riesiges Steinmonument durchbrach das dichte Dach der Bäume. Pablo, ihr Guide, drehte sich zu den Beiden um und erklärte: „Auf ganz Yucatan findet man Bauten der Maya. Auch der Begriff Cenote stammt ursprünglich aus ihrer Sprache und heißt heiliges Wasser.“ „Wir hatten zu Hause ein altes Buch über Mexiko mit schwarz-weiß Bildern von Maya Tempeln“, erwiderte Tim. „Mein Vater nahm sich manchmal das Buch und erzählte mir zum Einschlafen Geschichten von einer versunkenen Kultur irgendwo im Dschungel – von mächtigen Priestern, Tempeln und Höhlen, in denen geheimnisvolle Rituale abgehalten worden.“ „Und jetzt sind wir hier“, sagte Maya.

So plötzlich, wie der Regen begonnen hatte, hörte er auch wieder auf. Sonne durchbrach die Wolken und Dampf stieg vom Dschungel auf. Das Prasseln der Regentropfen wurde vom langsam erwachenden Konzert des Waldes abgelöst. Die plötzliche Wärme drückte in den Wagen. „Gleich in der Cenote wird es angenehmer“, sagte Pablo. „Wie lange fahren wir noch?“, fragte Tim. „Nur noch ein paar Minuten“, erwiderte Pablo. Kurze Zeit später tauchten vor ihnen ein paar flache Hütten auf. „Wir sind da“, sagte Pablo.

Sie kletterten aus dem Pickup. „Ich kümmere mich um die Anmeldung“, sagte Pablo. „ Ihr könnt euch ja ein wenig umsehen.“ Es hatte sich gelohnt, so früh los zu fahren. Um diese Uhrzeit war noch wenig los. „Hier lang“ rief Maya. Sie lehnte an einem Holzschild, auf dem „THE MAYAN UNDERWORLD“ stand. Nach ein paar Metern öffnete sich vor ihnen ein großes Loch im dichten Dschungelboden. Wurzeln verkleideten die Wände und ein kleiner Wasserfall stürzte sich auf der gegenüberliegenden Seite in die Tiefe. Gleich würden sie den Eingang zur Nebenwelt „Xibalba“ durchtauchen.

Pablo begann sein Briefing. Er erklärte ihnen, dass Yucatan ein riesiges Karstgebiet ist. Wasser spült den Kalkstein aus und bildet Höhlen, deren Dächer manchmal einbrechen und dann Cenoten bilden. Die tieferen Cenoten sind wahrscheinlich durch ein riesiges Tunnelsystem verbunden. Die Maya sahen in ihnen den Eingang zur Nebenwelt „Xibalba“ in der der Regengott Chac lebte. In den Cenoten liegt eine Schicht Süßwasser auf einer Schicht Salzwasser auf. Eine Halokline genannte Schicht trennt beide voneinander.

Tim und Maya checkten sich. Sie hatten sich an der Tauchbasis in Playa del Carmen kennengelernt. Beide waren von der gleichen Sehnsucht nach den Cenoten getrieben und beschlossen, für diesen Tag ein Buddyteam zu bilden. „Seid vorsichtig, wenn ihr die Treppe hinuntersteigt“, warnte sie Pablo. Die Holzkonstruktion, die vom Dschungelrand auf den Grund der Cenote führte, wirkte tatsächlich etwas wackelig. Unten angekommen, ließen sie erstmal die Atmosphäre auf sich wirken. Der Wasserfall traf spritzend auf die Wasseroberfläche, der feine Wassernebel bildete mit dem einfallenden Sonnenlicht irre Farbbilder, die einem Regenbogen glichen und dazu sangen die Tiere des Dschungels. „Wunderschön, nicht wahr?“, bemerkte Pablo. „Aber wartet erstmal ab, wenn wir unter Wasser sind.“

Als Tim den Kopf unter Wasser gesteckt hatte, wusste er schon nicht mehr, wo er als erstes hinschauen sollte. Im Flachwasser strebten Seerosen zur Wasseroberfläche. Baumwurzeln suchten ihren Weg zum Höhlenboden und unter ihm lagen mächtige Felsbrocken. Das Ganze in ein einzigartiges Licht der Morgensonne gehüllt. Maya tippte ihn an. „Ach ja, der Bubblecheck“, dachte Tim und umkreiste seine Tauchpartnerin. Nachdem Maya ihn gecheckt hatte, gaben sie Pablo das „ok“.
Langsam tauchten sie tiefer in das kristallklare Wasser hinab. Sie befanden sich in einem riesigen Höhlenraum dessen Boden mit mächtigen Felsen bedeckt war. Alles in ein wunderbares Blau gehüllt. Am Rand des Raumes erschienen die ersten Stalagtiten und Stalagmiten. Pablo mahnte nochmal zur Vorsicht, bevor er seine Lampe einschaltete und in einen breiten Tunnel wies.
Er tauchte vorne weg und Tim und Maya hinterher. Der Tunnel war breit und hoch genug, dass sie zu zweit nebeneinander tauchen konnten und keine Gefahr bestand, Sediment aufzuwirbeln. Pablo hatte sie gewarnt, „Ein falscher Schlag mit der Flosse und die tolle Sicht wäre hinüber“. Links und rechts von ihnen standen riesige Stalagmiten und nicht minder beeindruckende Stalagtiten hingen von der Tunneldecke. Vor ihnen blitzten immer mal wieder Lichter auf. „Waren andere Taucher vor ihnen abgetaucht?“, fragte sich Tim. Langsam erweiterte sich der Tunnel und aus den aufblitzenden Lichtern wurde ein breiter Lichtstrahl, der wie ein Vorhang aus Kristall mit tausenden Fäden das Wasser durchdrang. Tim war völlig überwältigt. Pablo machte sich einen Spaß, umtauchte den Lichtvorhang, um durch ihn hindurch auf sie zu, zu schweben. Es wirkte als ob ein Schauspieler im Scheinwerferlicht die Bühne betrat. Tim und Maya applaudierten und Pablo verneigte sich höflich, tauchte auf Maya zu und tat so, als würde er ihr ein Autogramm geben. Sie blieben einen Moment, um die Schönheit dieses Licht- und Farbenspieles auf sich wirken zu lassen. Sie befanden sich in einer weiteren Cenote, an deren Decke ein relativ kleines Loch dem Licht die Möglichkeit gab, einzudringen. Pablo führte sie an den Rand der Cenote zu einem ganz besonderen Stalagtiten oder waren es dutzende? Vor ihnen hing ein tausende Jahre alter, riesiger Lampenschirm. Relativ dünne Stalagtiten waren an der Spitze zusammengewachsen und öffneten sich unten zu einem großen Hohlraum. Tim hätte locker mit seinem Kopf hineingepasst. Behutsam umkreisten sie dieses Naturwunder und tauchten dann weiter. Sie durchquerten einen weiteren Tunnel. Pablo stoppte und winkte sie heran. Als Tim und Maya bei ihm waren, stütze er sich auf einem Felsen am rechten Rand des Tunnels ab und zeigte mit der Lampe auf den dahinter liegenden Grund. Maya und Tim hielten sich links und rechts von Pablo an dem Felsen fest und schauten vorsichtig dahinter. Tim lief es eiskalt den Rücken herunter. Dort lagen Knochen. Irritiert schaute er zu Maya, die völlig ungerührt und interessiert die Knochen betrachtete. „Waren das die Überreste eines Tauchers?“, dachte Tim. „Wahrscheinlich nicht. Sonst hätte sie Pablo gewiss nicht gezeigt.“ Pablo merkte, dass Tim die Situation etwas unheimlich war und fragte das ok ab. Tim erwiderte. Sie setzten ihren Tauchgang fort. Maya klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter. „Ok, sie wusste scheinbar Bescheid“, dachte Tim. Vor ihnen öffnete sich der Tunnel und gleisendes Licht erhellte den Raum, dazwischen die Schatten der mächtigen Felsen, oben das satte Grün des Dschungels. Wurzeln ragten wie dünne Finger ins Wasser. „Kein Wunder das die Cenoten für die Mayas ein heiliger Ort waren“, dachte Tim. „Wunderschön und unheimlich zugleich.“ Noch einmal umrundeten sie den Höhlenraum, schauten sich die Seerosen an und tauchten dann langsam auf. „Das war irgendein Tier“, sagte Maya. Pablo nickte. „Aber wie kam es da hin?“, fragte Tim.

Sie verstauten die Ausrüstung auf dem Pickup. Pablo hatte unter einem Schilfdach einen kleinen Imbiss vorbereitet. „Quesadillas mit dem Süßkartoffelsalat“, sagte Maya. Pablo und Tim schauten beeindruckt. „Woher kennst Du das?“, fragte Pablo. „Ich habe 6 Monate in Chiapas an einer Schule gearbeitet“ erwiderte Maya. Pablo nickte anerkennend. „Aber das ist das Rezept meiner Frau“, bemerkte Pablo grinsend. „So gut hast Du das noch nie gegessen!“

Im Pickup schwiegen alle. Tim und Maya waren noch völlig überwältigt vom gerade erlebten. Da bog Pablo plötzlich ab. Tim und Maya schauten sich fragend an. Pablo beugte sich nach hinten. „Ich habe noch eine kleine Überraschung für Euch“, sagte er. Nach ein paar Minuten öffnete sich der Dschungel und gab die Überraschung preis. Vor ihnen lag eine Maya Stätte. Pablo stieg aus. „Wartet kurz hier“, bat er sie. Er ging zu einer kleinen Hütte. Scheinbar war es die Anmeldung. Der Mann hinterm Tresen begrüßte Pablo freudig. Nach einem kurzen Gespräch drehte er sich zu Tim und Maya um und nickte. Sie verließen den Pickup und gingen zu der Hütte. „Das ist mein Schwager Ramon“, sagte Pablo. „Wir dürfen kurz auf das Gelände. „Das ist ja super“ sagte Tim. „Danke Ramon, danke Pablo!“ Maya nickte zustimmend. Sie betraten einen offenen Platz mit verschiedenen Mauerresten. Eine mächtige Pyramide erhob sich. „Oh, ich hab noch was vergessen“, sagte Pablo. „Sucht euch einen bequemen Platz. Ich komme gleich wieder.“

Maya und Tim wählten einen Mauervorsprung im Schatten der Pyramide. Kurze Zeit später setzte sich Pablo mit eiskaltem Bier zu ihnen. Sie stießen an. „Auf euren ersten Tauchgang in den Höhlen der Maya“, sagte Pablo. „Auf Dich“ erwiderten Tim und Maya. „Maya hatte Recht“, erzählte Pablo. „Vor Tausenden Jahren waren Teile der Cenoten noch trocken und Menschen und Tiere lebten in ihnen. Später unter den Maya dienten sie als Kult- und Opferplätze. Daher könnten die Knochen stammen. Manche glauben sogar, dass bereits die Maya in den Cenoten tauchten.“
Als sie den Platz verließen, fiel Tim ein rundes Relief mit einem Gesicht auf. „Wer ist das?“, fragte Tim. „Das ist Chac, der Regengott“, erklärte Pablo. „Wir haben ihn gerade besucht.“

Am Abend saßen Maya und Tim gemeinsam am Strand von Playa del Carmen und tranken ein Abschiedsbier. Morgen sollten sich ihre Wege trennen.

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Geschrieben von
Matthias Heine
Archäologe, Forschungstaucher, Tauchlehrer
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