Foto von Museo de la Ballena

Vaquita don`t quit!

Der kalifornische Schweinswal steht seit vielen Jahren auf der roten Liste der bedrohten Arten. Die letzten 10-15 Exemplare sind akut vom Aussterben bedroht. In einer letzten Rettungsaktion versuchen Wissenschaftler und Tierschützer das scheinbar Unabwendbare zu verhindern.
Matthias Heine
23.07.19 13:30

Erst in den 50er Jahren entdeckt, umgab den Vaquita der Ruf eines Geisterwesens. Seine scheue Lebensweise und sein sehr kleiner Lebensraum im nördlichen Golf von Kalifornien verhinderten lange Zeit wissenschaftliche Untersuchungen. Bereits 1978 erließ die mexikanische Regierung Gesetze zum Schutz dieser kleinsten Schweinswalart. Dennoch schrumpfte die Population immer weiter. Wissenschaftlicher Streit über die Ursachen, verfehlte Umsetzung meist schwammiger Schutzbestimmungen, Korruption und Stellnetzfischerei dezimierten die Art auf 10-15 Exemplare. Welche Fehler beim Artenschutz begangen und welche Rettungsaktionen gestartet worden sind, soll dieser Artikel klären.

Zwei Vaquitas in freier Wildbahn

Die Geschichte einer bedrohten Tierart

Durch Zufall fand der Meeresbiologe Ken Norris 1950 am Strand des nördlichen Golfs von Kalifornien den Schädel eines Schweinswals. Ihm fielen Merkmale, wie die geringe Größe, auf, welche diesen Fund von allen bisher bekannten Arten zu unterscheiden schienen. Obwohl es ihm nie gelang, einen lebenden Vaquita zu untersuchen, veröffentlichte er 1958 seine Entdeckung des kleinsten Schweinswales.

Die Überfischung des Golfs von Kalifornien zwang die mexikanische Regierung 1975 den Fischfang in dieser Region stark einzuschränken. 1978 folgten Gesetze zum Schutz des Vaquitas.

1985 machte es sich der Biologe Alejandro Robles zur Aufgabe dieses immer noch weitestgehend unbekannte Geisterwesen zu untersuchen. In Zusammenarbeit mit einheimischen Fischern war es seine eigentliche Aufgabe die Bestände des Totoaba zu untersuchen, dessen Rückgang der ursprüngliche Auslöser der mexikanischen Schutzgesetze war. Er wurde Zeuge des, unter den Augen der Aufsichtsbehörden, stattfindenden illegalen Fangs des Totoaba und erkannte schon frühzeitig, wie eng dessen Schicksal mit dem des Vaquita verknüpft war.

Seit den 1980er Jahren schnitt die fortschreitende Eindämmung des Colorado Rivers den Golf von Kalifornien von seiner wichtigsten Süßwasserzufuhr ab. Verheerende ökologische Auswirkungen an Land führten Ozeanographen zu der Überlegung, welche Folgen das für Meeresfauna und –flora haben könnte.

Die Verhandlungen um das Freihandelsabkommen NAFTA ab 1990 hoben diese ökologische Katastrophe auf die Bühne der mexikanischen Politik. Öffentlichkeitswirksam wurden die Gesetze zum Schutz des Golfs von Kalifornien verschärft, ohne sich um die Umsetzung oder Folgen zu kümmern. Im Resultat verschlechterte sich das Verhältnis zwischen einheimischen Fischern und Biologen, ohne dass sich ein wirksamer Schutz einstellte.

Die Explosion der Preise für die Fischblasen des Totoaba führte zu einem dramatischen Anstieg des illegalen Fischfangs. Die horrenden Preise lockten die mexikanische Drogenmafia als neuen Akteur an. Die Schmuggelrouten für Drogen wurden ab jetzt auch für die Fischblasen genutzt.

2017 gestartete Fangversuche der stark dezimierten Vaquita Bestände wurden abgebrochen, da die extrem scheuen Tiere bei den Rettungsversuchen zu kollabieren drohten.

Zeitpunk der Messung Population
1997 ca. 600
2012 weniger als 200
2015 ca. 60
2016 ca. 30
2019 (aktuell) 10 - 15

Ursachen des Aussterbens

Seit der Entdeckung des Vaquitas kursieren Legenden und Theorien um diese Art und ihr Aussterben. Zeitweise wurde sogar die Existenz dieses Schweinswals von Behörden-vertretern abgestritten und als Erfindung der Tierschützer dargestellt. Konflikte zwischen den USA und Mexiko flossen in die Diskussion um den Vaquita ein. Vertreter der Fischindustrie unterstützten Thesen, die den Fischfang aus der Verantwortung nahmen.

  1. Inzucht?

    Einige Forscher sehen in der Fortpflanzung dieser auf kleinsten Raum, ca. 2500 Quadratkilometer, lebenden Population die eigentliche Ursache ihres Aussterbens. Inzucht würde die Art immer weiter dezimieren. Der Großteil der Forschergemeinde widerspricht dieser Theorie. Warum sollte eine schon immer räumlich begrenzte Spezies plötzlich derart unter Inzucht leiden? Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass sich innerhalb der Population ein Schutz gegen die Folgen von Inzucht aufgebaut hat.

  2. Fehlende Süßwasserzufuhr?

    Die Stauung des Colorado Rivers führte zu katastrophalen Umweltveränderungen im ehemaligen Delta des Flusses. Die fehlende Süßwasserzufuhr wirkte sich auch auf den Golf von Kalifornien aus. Schwindende Nahrungsressourcen sollten zur Unterernährung und Dezimierung des Vaquita geführt haben. In der politischen Debatte zwischen Mexiko und den USA wurde diese These gerne ins Feld geführt. Jedoch zeigten die beobachteten und die tot geborgenen Vaquitas keinerlei Anzeichen von Unterernährung.

  3. Illegaler Fang des Totoaba!

    Die Fischblase des Totoaba spielt eine wichtige Rolle in der „traditionellen“ chinesischen Medizin. Das Aussterben anderer „Quellen“ und die zunehmende finanzielle Potenz des chinesischen Marktes ließen erst die Preise und dann den illegalen Fischfang explodieren. Mit zunehmendem Marktwert kriminalisierte sich der Fischfang und gipfelte in der Zusammenarbeit mit den mexikanischen Drogenkartellen. In den eingebrachten Stellnetzen verfangen sich die Vaquitas und ertrinken. Zwischen der Zunahme des illegalen Fischfanges und dem Rückgang des Vaquitas ist ein klarer Zusammenhang erkennbar.

Geborgene Stellnetze, die dem Vaquita allzu oft zum Verhängnis werden.

Ist eine Rettung möglich?

Aktuell hat sich ein breites Bündnis aus Forschern, Tierschützern und der mexikanischen Regierung zusammengeschlossen, um sowohl die Ursachen des Aussterbens zu bekämpfen, als auch die letzten Exemplare dieser Art zu retten.

Sea Shepherd patroilliert mit Genehmigung der mexikanischen Behörden im Golf von Kalifornien, um die illegale Fischerei einzudämmen und die ausgebrachten Stellnetze einzusammeln.

Unter Federführung von VaquitaCPR wird der Versuch unternommen, die letzten Vaquitas einzufangen und in einem geschützten Bereich neu anzusiedeln. Die Forscher hoffen, dass sich die Art unter geschützten Bedingungen erholt und fortpflanzt. Sollte der Vaquita tatsächlich die Probleme der Inzucht überwunden haben, bestehen für diese Aktion begründete Chancen.

Lexi&Bö – trage deine Unterstützung des Vaquitas zur Schau

In Zusammenarbeit mit Yaqu Pacha, dem deutschen Partner von VaquitaCPR, unterstützen Lexi&Bö die Rettung der letzten Vaquitas. Für jedes verkaufte „Vaquita don`t quit“ T-Shirt spenden sie ein weiteres T-Shirt und damit den gesamten Erlös an Yachu Pacha. Mit dem Kauf dieses T-Shirts unterstützt Du also direkt den Erhalt dieser bedrohten Art.

Wie können Tiere effektiv geschützt werden?

Bereits in den 70er Jahren erließ die mexikanische Regierung Gesetze zum Schutz des Vaquitas. Ebenso wurden Versuche unternommen die ortsansässigen Fischer in den Tourismus zu integrieren. Im Resultat blieben alle Versuche ergebnislos. Welche Fehler wurden gemacht?

Gesetze leben von ihrer Entschiedenheit und Umsetzung. Leider blieb es im Falle des Vaquitas bei politischen Gesten. Gleiches trifft auf den halbherzigen Versuch der Etablierung einer Tourismusindustrie zu. Auch für Fischer gilt: der Weg in die Kriminalität ist immer der letzte Ausweg im Kampf ums Überleben.
Dabei ist der Fischer der natürliche Verbündete im Bemühen um Artenvielfalt und Stabilität.
Zukünftige Artenschutzbemühungen sollten daher immer auf zwei Ebenen stattfinden:

  1. Handhabbare Gesetze deren Umsetzung sowohl von den Regierungsbehörden, als auch den Beamten vor Ort vorangetrieben wird.
  2. Die frühzeitige Sensibilisierung und Einbindung der örtlichen Fischer in den Erhalt bedrohter Arten, durch die Schaffung nachhaltiger Jobs und die enge Zusammenarbeit zwischen Tierschützern und der lokalen Bevölkerung.

Nur wenn Gesetze die bedrohen, die tatsächlich an der Vernichtung von Arten verdienen und die Menschen vor Ort vom Erhalt der Arten profitieren, lassen sich zukünftig Schicksale, wie das des Vaquitas vermeiden.

Geschrieben von
Matthias Heine
Archäologe, Forschungstaucher, Tauchlehrer
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