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Druckausgleich beim Tauchen

Der Druckausgleich gehört zu den wichtigsten Fähigkeiten beim Sporttauchen.
Alexander Trisko
30.03.18 15:30

Der Druckausgleich muss ab dem ersten Tauchgang halbwegs beherrscht werden, sonst ist nach ein paar Metern Schluss. Für manche Taucher ist das kein Problem, andere haben aber erhebliche Probleme beim Druckausgleich. Wenn du auch zu diesen Tauchern gehörst, ist das kein Weltuntergang und bedeutet auch nicht, dass du das Hobby aufgeben musst oder gar nicht erst anfangen kannst. Denn der richtige Druckausgleich kann erlernt und trainiert werden. Nur ganz selten liegen Problemen beim Druckausgleich tiefere anatomische Ursachen zugrunde, die das Tauchen medizinisch betrachtet unmöglich machen. Im folgenden findest du die wichtigsten Fakten und Tipps zum Thema Druckausgleich beim Tauchen.

Warum müssen wir den Druck ausgleichen?

Das Gefühl des zunehmenden Drucks auf den Ohren dürften die meisten bereits im Schwimmbad kennengelernt haben. Beim Gerätetauchen ist der Effekt aufgrund der größeren Tiefe noch deutlicher. Der Grund dafür ist recht einfach: Mit steigender Wassertiefe nimmt auch der Druck außerhalb des Körpers zu – und zwar als Faustregel um eine Atmosphäre alle 10 Meter. Das ist ein Problem für luftgefüllte Hohlräume im Körper, wie etwa die Lunge, die Stirnhöhle, die Nasennebenhöhlen, die Lunge oder das Mittelohr. Die darin enthaltene Luft wird beim Abtauchen unter dem zunehmenden Druck komprimiert, was einen Druckausgleich erforderlich macht. In der Lunge und den Nasennebenhöhlen sowie der Stirnhöhle übernimmt diese Aufgabe der Lungenautomat beim Ein- und Ausatmen. Nicht jedoch im Mittelohr. Hier musst du beim Abstieg aktiv den Druck ausgleichen. Während des Aufstiegs ist kein aktiver Druckausgleich mehr nötig, da die überflüssige Luft problemlos aus dem Mittelohr entweichen kann.

Exkurs in die Anatomie des Ohres

Um die Notwendigkeit des aktiven Druckausgleichs im Ohr besser zu verstehen, müssen wir ein bisschen in die Anatomie des Ohres einsteigen. Aussenohr_Mittelohr_und_InnenohrIuEAHpKO1RRcx Dieses kann in drei Bereiche getrennt werden: Den äußeren Gehörgang, das Mittelohr und das Innenohr. Zwischen dem äußeren Gehörgang und dem mit Luft gefüllten Mittelohr befindet sich das Trommelfell. Wenn beim Abstieg der Druck im Innenohr erhöht wird, wird die darin enthaltene Luft komprimiert und das Trommelfell dehnt sich nach innen. Die Folge ist das typische Druckgefühl auf den Ohren. Wenn du den Abstieg ohne Druckausgleich fortsetzt, wird aus dem Druckgefühl ein immer stärker werdender Schmerz, der im Extremfall mit einem Riss des Trommelfells endet. Der Mediziner spricht in so einem Fall von einem Barotrauma.

Um den Druckausgleich herbeizuführen, musst du Luft aus dem Nasen- Rachenraum ins Mittelohr drücken. Diese beiden Hohlräume werden durch einen kleinen Kanal miteinander verbunden, der als Eustachische Röhre oder Ohrtrompete bezeichnet wird. Der Eingang zur Ohrtrompete liegt im hinteren Bereich des Nasenrachenraums etwa auf Höhe der Nasenlöcher. Sie ist bei erwachsenen Menschen etwa 3,8 Zentimeter lang, und im Normalfall verschlossen. Für den Druckausgleich muss die Eustachische Röhre geöffnet werden. Dies fällt manchen Tauchern extrem leicht, andere haben Schwierigkeiten damit. Außerdem beeinflusst der Winkel und der Verlauf der Ohrtrompete sowie ihr Durchmesser die Fähigkeit zum Druckausgleich. Zu guter Letzt kann die Eustachische Röhre bei Allergien oder Erkältungen verstopft sein, weshalb in solchen Fällen dringend von Tauchgängen abzuraten ist.

So funktioniert der Druckausgleich: Verschiedene Methoden im Überblick

Taucher mit besonders weiten Eustachischen Röhren haben Glück: Häufig reicht für sie ein einfaches Gähnen, Schlucken oder Kopfneigen, um den Druckausgleich während eines Tauchgangs herbeizuführen. Für eine große Zahl Taucher reicht das aber nicht aus. Für sie stehen verschiedene Methoden zum Druckausgleich zur Verfügung. Grundsätzlich unterscheidet man dabei zwischen Methoden mit aktivem Druck und passiven Methoden. Da die passiven Methoden schwer zu erlernen sind, sollten besonders Tauchanfänger auf eine Methode mit aktivem Druck zurückgreifen.

Druckausgleich-Methoden mit aktivem Druck

  • Valsalva-Methode: Diese Methode ist nach dem italienischen Anatomen Antonio Valsalva benannt, der im 18. Jahrhundert erstmals den Druckausgleich im Ohr beschrieb. Die Valsalva-Methode gehört zu den einfachsten Methoden zum Druckausgleich und ist vor allem für Tauchanfänger zu empfehlen. Um sie durchzuführen, musst du einfach nur deine Nasenflügel zusammendrücken und durch die Nase ausatmen. Durch den entstehenden Druck wird die Ohrtrompete geöffnet und der Druckausgleich herbeigeführt. Diese Methode hat jedoch den großen Nachteil, dass durch die wiederholte Anstrengung das Gewebe rund um die Ohrtrompete anschwellen und den venösen Rückfluss des Blutes zum Herzen behindern kann.
  • Frenzel-Technik: Herman Frenzel war ein deutscher Luftwaffenkommandant im zweiten Weltkrieg. Seine Methode zum Druckausgleich wurde damals von Kampffliegern verwendet, gehört aber heute zu den beliebtesten Druckausgleichsmethoden beim Tauchen. Sie ist allerdings auch deutlich schwerer als die Valsalva-Methode. Bei der Frenzel-Technik hältst du dir die Nasenlöcher zu und erzeugst dann einen gutturalen K-Laut („Kö“). Dabei wird die Zunge angehoben und der Kehlkopf etwas nach oben gedrückt und so ein Druckausgleich herbeigeführt. Diese Methode kann zu jedem Zeitpunkt im Atemzyklus durchgeführt werden.
  • Toynbee-Methode: Bei dieser nach einem englischen Arzt aus dem 19. Jahrhundert benannten Methode musst du dir die Nase zuhalten und gleichzeitig schlucken. Dabei wird die Eustachische Röhre von der Halsmuskulatur geöffnet und ermöglicht so den Druckausgleich. Allerdings kann das Schlucken gerade für Tauchanfänger aufgrund der trockenen Pressluft aus dem Lungenautomaten schwierig sein. Außerdem treten beim schnellen Abtauchen Probleme auf, sollte der Druckausgleich nicht auf Anhieb klappen.

Passive Methoden zum Druckausgleich

  • Beance Tubaire Volontaire (BST): Dieses Verfahren zum Druckausgleich wurde in den 50er Jahren von der französischen Navy entwickelt. Dabei deutest du das Ende eines Gähnens bzw. ein Ohrenwackeln an, was dazu führt, dass die Muskeln im oberen Halsbereich die Ohrentrompete öffnen. Diese Methode ist schwer zu lernen und daher nichts für Anfänger, die während ihrer Tauchgänge noch auf genug andere Dinge achten müssen.
  • Roydhouse-Methode: Der neuseeländische Arzt Noel Roydhouse beschrieb eine Methode, die der BST-Methode ähnelt, aber zusätzlich mit Anweisungen für die richtige Reihenfolge der Muskelkontraktionen versehen ist. Nach Roydhouse soll zum Druckausgleich der Gaumenheber und Gaumenstrecker angespannt werden. Danach wird durch ein Anspannen der Zunge die Eustachsche Röhre geöffnet. Diese Technik ist ebenfalls sehr schwer zu erlernen und für Anfänger ungeeignet.

Neben den genannten Techniken gibt es noch mehrere Methoden, die die einzelnen Ansätze auf unterschiedliche Art und Weise kombinieren. Letztlich musst du für dich selber rausfinden, wie du den Druckausgleich am besten herbeiführst. Am einfachsten ist die Valsava-Methode. Wenn es nicht auf Anhieb klappt, dann gib nicht auf, sondern versuche es mit einer anderen Technik. Ich selber führe den Druckausgleich herbei, indem ich mir die Nase zuhalte und in das Mundstück gähne.

Hilfreiche Tipps für den richtigen Druckausgleich

Die meisten Taucher haben keine großen Schwierigkeiten mit dem Druckausgleich. Solltest du jedoch zu der Gruppe gehören, die dabei Probleme hat, gibt es einige Dinge, die du tun kannst, um dir den Druckausgleich leichter zu machen.

  1. Vorbereitung vor dem Tauchgang: Der erste Schritt in Sachen Druckausgleich findet bereits statt, bevor du ins Wasser gehst. Führe einfach im Trockenen ein paar Mal einen vorsichtigen Druckausgleich nach der Valsava-Methode herbei. Das dehnt und lockert die Eustachische Röhre und hilft dir später unter Wasser beim Ausgleichen des Drucks.
  2. Langsames Abtauchen mit den Füßen voran: Wer mit dem Kopf voran abtaucht, der erhöht den Druck auf die Ohren. Tauche daher langsam mit den Füßen voran ab. Besonders Anfängern fällt es so auch leichter, bei Problemen mit dem Druckausgleich den Abstieg zu unterbrechen.
  3. Häufiger Druckausgleich: Die wichtigste Regel ist es, den Druck frühzeitig und so oft wie möglich durchzuführen – im Idealfall bereits, bevor du Druck auf den Ohren verspürst. Je größer die Druckdifferenz wird, desto schwieriger wird auch der Druckausgleich.
  4. Viel trinken: Gemeint ist natürlich vornehmlich Wasser. Indem du viel trinkst, verhinderst du, dass der Schleim in deiner Nase zu dickflüssig wird und den Druckausgleich erschwert.

Wenn du trotz allem dauerhaft Probleme beim Druckausgleich haben, dann solltest du einen auf Tauchmedizin spezialisierten HNO-Arzt aufsuchen. Dieser kann klären, ob es einen spezifischen Grund für deine Schwierigkeiten gibt und diesen behandeln. Für Extremfälle gibt es auch operative Möglichkeiten, um den Druckausgleich zu erleichtern.

Wenn du beim Abstieg bemerkst, dass du Probleme mit dem Druckausgleich hast, ist die oberste Regel, Ruhe zu bewahren. Unterbreche deinen Tauchgang und signalisiere deinem Buddy oder Guide, dass du Schwierigkeiten beim Druckausgleich hast (deute mit dem Zeigefinger einer Hand auf dein Ohr). Jetzt hast du ausreichend Zeit, dich mit dem Druckausgleich zu befassen. Wenn nötig, steige etwas auf, um dir die Sache zu erleichtern. Auf keinen Fall solltest du den Abstieg ohne Druckausgleich fortsetzen – du gehst sonst die Gefahr eines Barotraumas ein. Falls es dir trotz aller Bemühungen nicht gelingen sollte, den Druckausgleich herbeizuführen, musst du den Tauchgang entweder in geringerer Tiefe fortsetzen oder im Extremfall komplett abbrechen.

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Alexander Trisko
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