Photo by Marc Hillesheim

Höhlentauchen – Faszination aus Licht und Finsternis, Enge und Weite

Stell Dir vor, du schwimmst durch ein trübes Flüsschen und in der Mitte tauchst Du ab in eine Märchenhöhle. Glasklares Wasser mit enormen Sichtweiten, riesige Hallen mit beeindruckenden Felsformationen und Stalagtiten, aber auch Engstellen und Finsternis – Höhlentauchen stellt besondere Anforderungen an dich, aber belohnt mit einer neuen, atemberaubenden Tauchwelt.
Matthias Heine
06/04/2020 15:30

Auf Tauchreisen werden einem weltweit Tauchgänge in Höhlen, Grotten usw. angeboten. Meine Erfahrungen sind dabei sehr durchwachsen. Negativ in Erinnerung bleibt mir eine sauschlecht gebriefte Grotte auf 30 m Tiefe in Ägypten. Als ich mit meiner Tauchgruppe den Eingang erreichte, bot sich mir ein schockierendes Bild: Taucher, die scheinbar wahllos in die Grotte hinein und wieder heraus tauchten, keine erkennbaren Buddyteams oder Gruppen, aufgewirbeltes Sediment und eine Taucherin in Panik, die ihren Buddy verloren hatte. Ich hielt meine Tauchgruppe von der Grotte fern und kümmerte mich um die Paniktaucherin. Alles nochmal gut gegangen. Aber wie oft gehen solche Tauchgänge gut? Zeit, sich einmal mit Höhlentauchausbildungen zu beschäftigen.

Geschichte des Höhlentauchens

Höhlenforscher, sogenannte Speläologen, untersuchen bereits seit Jahrhunderten Höhlen im In- und Ausland. Häufig war ihrem Forscherdrang das Wasser im Weg. Es verwundert nicht, dass mit der Einführung von Helmtauchgeräten im 19. Jahrhundert Höhlenforscher zu den ersten Anwendern dieser neuen Technik gehörten.

Cave_diving_equipment_1935
Höhlentauchausrüstung aus dem Jahre 1935
Wookey Hole Caves Museum
Foto: Rodw/20.09.2008 (Public Domain)

Helmtauchanzüge wurden bereits sehr früh in der Höhlenforschung eingesetzt. Dieses Modell stammt aus dem Jahre 1935 und wurde über einen Schlauch mit einem Atemluftkompressor verbunden, der per Hand über große Kurbelräder angetrieben wurde. Wookey Hole Caves Museum.

Mit dem Siegeszug des Sporttauchens, nach dem zweiten Weltkrieg, trafen erstmals ambitionierte und gut ausgebildete Tec Taucher auf Höhlenforscher.

Höhlentauchausrüstung aus dem Jahre 1935

Höhlentauchausrüstung mit autonomen Leichttauchgerät
Wookey Hole Caves Museum
Foto: Rodw/20.09.2008 (Public Domain)

Das autonome Leichttauchgerät veränderte die Höhlenforschung maßgeblich. Hier zu sehen eine frühe Höhlentauchausrüstung mit Glatthautneopren, Vollfussflossen, Helm und autonomen Leichttauchgerät.

Anfänglich nur Forschungszwecken vorbehalten, wurden mit der Zeit auch Spezialkurse für Sporttaucher geschaffen, um ihnen den Zugang in die faszinierende Welt des Höhlentauchens zu gewähren.

Zwei Länder entwickelten sich zu Vorreitern in der Tec- und Höhlentauchausbildung: Großbritannien und die USA. Für die Entwicklung von Spezialkursen im Höhlentauchen waren zwei Gründe entscheidend: Erstens natürlich eine solide und einheitliche Ausbildung, um die Sicherheit von Höhlentauchgängen zu erhöhen und zweitens die Versicherbarkeit. Immer wieder wurde Höhlentauchern der Zutritt zu Höhlen verwehrt, da der Eigentümer oder Verwalter, verständlicherweise, das Risiko nicht übernehmen wollte.

Eine der ersten Organisationen auf diesem Gebiet war die britische Cave Diving Group, die bereits seit 1946 im Höhlentauchen aktiv ist.

Mit dem Anwachsen der Tec Tauchverbände nahm auch die Kursbreite im Höhlentauchen zu. Die wichtigsten Vertreter sind heute: GUE, NSS-CDS, TDI, NACD, ANDI und die CMAS (die Reihenfolge ist willkürlich gewählt und die Liste nicht vollständig).

Kurse

Die ersten Kurse für Sporttaucher wurden in enger Zusammenarbeit zwischen Höhlenforschern und Tec Tauchern entwickelt, wobei hier die Übergänge fließend waren. Verbände, wie GUE, NSS-CDS, TDI, NACD, ANDI, CMAS u.a. verfügen über jahrzehntelange Erfahrungen auf diesem Gebiet. Mit steigender Nachfrage sprangen auch die großen Tauchsportverbände auf diesen Zug auf. Wer mit dem Gedanken spielt, in das Höhlentauchen einzusteigen, sollte vor allem auf die Erfahrung (Höhlentauchen) des ausbildenden Tauchlehrers schauen.

Auch wenn die Ausbildungslevel variieren, haben sich 3 Zonen in der Ausbildung etabliert.

  1. Zone – Cavern

    Cavern Diving oder Grottentauchen beschränkt sich auf den, von natürlichem Licht ausgeleuchteten, Bereich. Der Ausgang ist sichtbar und jederzeit zu erreichen.

  2. Zone – Cave - apprentice cave diving

    Beim Cave Diving verlässt der Taucher die Zone des natürlichen Lichts und stößt bis zu Engstellen, sogenannten Siphons, vor. In der Regel wird hier noch mit Pressluft und innerhalb der Nullzeit getaucht.

  3. Zone – Full Cave

    Beim Full Cave Diving begeben wir uns endgültig in den Bereich der dekompressionspflichtigen Tauchgänge. Es wird mit Mischgas getaucht, Engstellen werden passiert und Tiefen jenseits der üblichen Sporttauchgrenzen betaucht.

Folgende Äquivalenztabelle gibt dir einen Überblick über die einzelnen Ausbildungslevel verschiedener Verbände im Bereich des Höhlentauchens bezogen auf die vorgestellten Zonen:

ZoneGUENSS-CDSTDINACDANDICMAS
Zone 1   Cavern Diver Cavern Diver Cavern Diver Cavern Diver, Level 2 Höhlentaucher I
Zone 2 Cave Diver 1 Apprentice Cave Diver Intro to Cave Intro to Cave Diving Cave Diver, Level 3 Höhlentaucher II
  Cave Diver 2     Apprentice to Cave Cave Explorer, Level 4  
Zone 3 Tech Diver 1 Cave Diver Full Cave Full Cave Diver   Höhlentaucher III

Da wir ja vorhaben, Höhlentaucher zu werden und ich Euch nicht mit 2.000 Kursbeschreibungen langweilen will, stelle ich Euch exemplarisch die Zone 2 Kurse von NSS-CDS, TDI und CMAS vor.

NSS-CDS: Apprentice Cave Diver

Der NSS-CDS Apprentice Cave Diver ersetzt die alten Cavern-, Basic- und Intro-to-Cave Kurse und fasst sie in einem umfangreichen und anspruchsvollen Kurs zusammen. Tauchschüler erlernen das begrenzte Eindringen an der Hauptleine und das Beherrschen kritischer Notfallsituationen, um erste Erfahrungen zu sammeln und grundlegende Fähigkeiten im Höhlentauchen zu üben.

Voraussetzungen

  • 18 Jahre
  • 50 Tauchgänge
  • AOWD
  • Nitrox Diver
  • Sidemount oder Doppelgerät Ausbildung

Kosten

ca. 450-500 €

TDI: Intro to Cave Diver

Der Intro to Cave Diver Kurs baut auf den Cavern Diver auf und vermittelt die Verwendung einer primären Hauptleine. Ziel des Kurses ist die Perfektionierung der, im Cavern Diver Kurs vermittelten, Fähigkeiten, sowie die Einführung, Vermittlung und Entwicklung von Verfahren und Techniken für die Durchführung elementarer Höhlentauchgänge.

Voraussetzungen

  • 18 Jahre
  • 25 Tauchgänge
  • Cavern Diver

Kosten

ca. 450-500 €

CMAS: Höhlentaucher II (Cave Diver Level 2)

Der Höhlentaucher II Kurs ist der zweite Schritt der Höhlentauchausbildung der CMAS und entwickelt grundlegende Fähigkeiten für das begrenzte Eindringen in die Höhlenumgebung. Dieses Programm führt die Schüler in die Grundprinzipien des Höhlentauchens ein, soll jedoch nicht alle Facetten des Höhlentauchens abdecken. In der Ausbildung wird die komplexe Planung und Durchführung anspruchsvoller Tauchgänge vermittelt.

Voraussetzungen

  • 18 Jahre
  • 50 Tauchgänge: Davon 10 Nachttauchgänge und 4 Grotten Tauchgänge
  • CMAS**
  • Höhlentaucher I (Cave Diver Level 1)

Kosten

ca. 450-500 €

Vergleich

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass auch Grotten nicht ohne sein können und man hier einen ersten Eindruck, auch hinsichtlich der eigenen Psyche, gewinnt. Ein Grottentauchkurs sollte daher vorm ersten Höhlentauchkurs absolviert werden. Ebenso sind Sidemount Kurse oder wenigstens das Tauchen mit Doppelgerät zur Vorbereitung Pflicht oder wenigstens empfehlenswert.

Inhaltlich ähneln sich die Kurse. Viel Wert wird auf Sicherheit und psychologische Vorbereitung gelegt. Der Umgang mit einer Führungsleine wird geübt. Die Tauchgangsplanung und Vorbereitung sind Pflichtbestandteile.

Alle, in der Tabelle aufgeführten, Verbände arbeiten hoch professionell und legen großen Wert auf Sicherheit und gründliche Ausbildung, sowohl der Tauchschüler, als auch ihrer Tauchlehrer. Sucht euch euren Urlaubsort aus, checkt die vorhandenen Tauchbasen nach etablierten Höhlentauchprogrammen und prüft das Portfolio eures zukünftigen Tauchlehrers. Dann steht einer gründlichen und sicheren Ausbildung nichts mehr im Wege.

Sicherheitstipps

  1. Verwendet während des gesamten Tauchgangs immer eine einzige durchgehende Hauptleine vom Eingang der Höhle aus.
  2. Verwendet bei der Planung der Luftversorgung immer die „Drittel- Regel“. (Heute eher die Sechstel Regel 1/6 hin, 1/6 zurück, 4/6 Reserve)
  3. Vermeidet tiefes Tauchen in Höhlen.
  4. Vermeidet Panik, indem ihr langsam Erfahrungen sammelt und auf Notfälle vorbereitet seid.
  5. Verwendet immer mindestens drei Lampen pro Taucher.
  6. Benutzet immer den sichersten Atemregler.
  7. Vermeidet es, Sediment aufzuwirbeln.
  8. Übt vor dem Tauchen mit eurem Partner Notfallmaßnahmen und überprüfet diese häufig.
  9. Tragt immer die für Notfälle erforderliche Ausrüstung bei euch und überprüft diese häufig.
  10. Werdet nie zu selbstsicher, um Verstöße gegen die Sicherheitsregeln zu vermeiden.

(Aus: Sheck Exley, Cave Diving – a blueprint for survival – ins Deutsche übertragen von Matthias Heine)

Heute gibt es eine Vielzahl von Büchern zum Thema Höhlentauchen. Sheck Exley war einer der ersten auf diesem Gebiet, der sein Wissen in Buchform weitergab. Auch wenn seine Regeln bereits 40 Jahr alt sind, kann man sie immer noch als verlässliche Grundregeln heranziehen.

Ausrüstung

Ein wichtiger Bestandteil der Höhlentauchausbildung ist das Ausrüstungshandling. Ausrüstung, mit der du nicht blind umgehen kannst, ist sinnlos, unter Umständen sogar gefährlich. Also beschränke dich auf das Notwendige. Welche Ausrüstung du für deine Tauchgänge benötigst, lernst du in deinem Kurs. Wichtig sind ein warmer Anzug, Kopfhaube und Handschuhe. Diese Auflistung soll lediglich einen Überblick über typische Höhlentauchausrüstung geben.

Haupt-Seilrolle (Primary Reel) 130 m
2 Jump oder Gap Reel 50 m
Leinenmarkierungen phosphoriszierend
Safety Spool 30 m
Helm mit Lampe  
2 Backup Lampen Batterien, keine Akkus
Harte Flossen (Gummi) Kurzes Blatt
Schneidwerkzeuge 2fach, Messer, Schere
Backup Maske  
Wetnotes  
Tauchcomputer Eventuell Backup Tauchcomputer
Uhr, Tauchtabelle, Tiefenmesser  

Tauchplätze

Schieferbergwerg Nuttlar

1878 begann der Schieferbergbau in Nuttlar im Sauerland. In über 100 Jahren wurde ein 20 km langes Tunnelsystem ergraben. Ein Teil des ehemaligen Bergwerkes kann heute betaucht werden.

Voraussetzungen

Gültiges Höhlentauchbrevet, gültige Tauchtauglichkeit, Tauchversicherung, Voranmeldung

Kontakt und Öffnungszeiten

Bergwerktauchen UG (Haftungsbeschränkt)
Briloner Str. 48a
D – 59909 Bestwig
info@bergwerktauchen.de
Samstag und Sonntag: 9 – 18 Uhr

Kosten

Tagesticket 59 €

Emergence du Ressel/Frankreich

In Mitten des Flüsschen Célé nahe dem Dörfchen Marcilhac befindet sich eine Quelle, die gleichzeitig der Eingang der, in Taucherkreisen nur Ressel genannten, Höhle ist. Erst paddelt man ein Stück durch noch etwas trübes Wasser, dann geht es hinab in die Dunkelheit und Kälte. Wie bei vielen Höhlen in Frankreich gibt es hier keinen Betreiber, d.h. Anreisen – Abtauchen. Dementsprechend gibt es aber auch kein Notfall Backup. Gute Vorbereitung und Planung ist daher alles. In der Region gibt es viele Möglichkeiten, seine Flaschen zu füllen und in Marcilhac einen Campingplatz. In der gesamten Region gibt es diverse Höhlen, die zu einem längeren Aufenthalt einladen, in denen man auch geführt tauchen kann (www.thecavetobe.com).

Voraussetzungen

Höhlentauchbrevet, Eigenverantwortung

Cenoten/Mexiko

Das die mexikanische Halbinsel Yucatan löchriger ist als ein Schweizer Käse hat sich in Taucherkreisen herumgesprochen. Unzählige Grotten und Höhlen haben Mexiko zum Traumziel vieler Taucher gemacht. Tauchplätze von einfach bis anspruchsvoll lassen das Taucherherz höher schlagen. Empfehlenswert ist ein Flug nach Cancun (ab Düsseldorf, Frankfurt, München) und Unterkunft in Playa del Carmen. Von hier aus werden beispielsweise Tagesausflüge mit jeweils 2 Tauchgängen angeboten. Mit Stefan Ullrich (www.cenoteadventures.com) findet Ihr vor Ort einen sehr erfahrenen, deutschsprachigen Guide/Instructor.

Voraussetzungen

Cavern Diver bis Cave Diver – je nach Cenote, Tauchversicherung

Kosten

130-170 € inkl. 2 Tauchgängen, 12l Flasche, Blei, Lampe, Snack

Fazit

Faszinierende Lichtspiegelungen, glasklares Wasser, riesige Hallen, aber auch völlige Finsternis, geschlossenen Decken, Sedimentwolken und enge Passagen – Höhlentauchen ist mehr als nur ein weiterer Sonderkurs. Du tauchst ein in eine neue Welt. Und wie bei allem Neuen heißt es erstmal lernen, lernen, lernen. Mit der richtigen Ausbildung, Ausrüstung, Einstellung, Vorbereitung und Planung erwarten dich völlig neue, begeisternde Eindrücke. Fehler werden in der Höhle nicht verziehen.

 
Geschrieben von
Matthias Heine
Archäologe, Forschungstaucher, Tauchlehrer
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