Foto von Marc Hillesheim und Markus Roth

Tauchkurse und Tauchscheine – die bunte Specialty Welt

Grundlegende Tauchkurse und Tauchscheine in einem übersichtlichen Ausbildungsprogramm. Lerne tauchen und entwickle Deine Skills mit Specialties.
Matthias Heine
14.05.20 17:30

Intro

Specialties oder Sonderkurse sind sogenannte Zusatzausbildungen im Sporttauchen. Diese Programme unterstützen Dich in deiner taucherischen Entwicklung, vermitteln spezielles Wissen und Fertigkeiten, ermöglichen Dir erst die Teilnahme an anspruchsvolleren Tauchgängen oder machen einfach nur Spaß.

Nach seinem ersten Tauchschein ist man häufig mit der schieren Masse an Specialties überfordert. Ab wann kann ich an diesem Tauchkurs teilnehmen? Welche Gefahren birgt er? Muss ich diesen Tauchschein machen?

Mit diesem Artikel versuche ich Licht ins Dunkel zu bringen. Ich stelle Dir die wichtigsten Specialties vor und präsentiere ein Ausbildungsprogramm. Wenn Du dieses Programm befolgst, entwickelst Du Dich Schritt für Schritt weiter, qualifizierst Dich für die spannendsten Tauchgänge und deine Begeisterung für unseren Sport wird immer weiter wachsen.

Ich erläutere die Ausbildung am Beispiel einer Tauchschülerin. Du kannst jeden einzelnen Schritt verfolgen und schon beim Lesen eigene Entscheidungen für zukünftige Tauchkurse treffen.

Warum bilde ich mir ein, Dir dieses Programm präsentieren zu müssen? Natürlich ist jeder Mensch ein Individuum und kann seine eigenen Entscheidungen treffen und ich werde Dich dazu auch motivieren. Nach meiner Erfahrung ähneln sich aber die meisten frisch gebackenen Open Water Diver, was ihre Motivation, als auch was ihre Interessen betrifft.  Und genau die möchte ich pushen!

Du hast in Deutschland oder im Urlaub deinen ersten Tauchschein, in der Regel den Open Water Diver, gemacht und möchtest jetzt in einen Tauchurlaub starten. Zurück in Deutschland bist Du heiß, wie Frittenfett und möchtest nicht bis zu deinem nächsten Urlaub warten, um mal wieder abzutauchen? Parallel sparst Du schon für deinen nächsten Tauchurlaub oder denkst über zukünftige Tauchscheine nach?

Erkennst Du dich wieder? Dann leg mal kurz die Flossen in die Ecke und ließ weiter. Das folgende Programm ist genau für Dich gedacht. Die einzelnen Tauchkurse werde ich im Anschluss genauer definieren. Zum Abschluss biete ich Dir einen Überblick über weitere Specialties, die entweder der Erweiterung deines Wissens und deiner Fertigkeiten dienen oder einfach nur Spaß machen.

Ausbildungsprogramm

Vom Open Water Diver zum Alleskönner und Allesdürfer. In einfachen Schritten die gesamte Welt des Tauchens entdecken.

Tauchkurse und Tauchscheine Infografik

Äquivalenzliste

So heißen die wichtigsten Ausbildungsschritte bei den größten Tauchsportverbänden.

PADI SSI IAC-RSTC VDST-CMAS
Open Water Diver Open Water Diver Open Water Diver CMAS* Taucher
Night Diver Night&Limited Visibility Night Diving Nachttauchen
Underwater Navigator Navigation Navigation Orientierung beim Tauchen
  Group Guide Dive Group Management Gruppenführung
Advanced Open Water Diver Advanced Adventurer Advanced Open Water Diver CMAS**
Enriched Air Diver Enriched Air Nitrox Nitrox Basic Basic Nitrox Diver
Deep Diver Deep Diving Deep Diving

Tiefer Tauchen / Deepdiving

Wreck Diver Wreck Diving Wreck Diving Wracktauchen
Cavern Diver Cavern Diving Cavern Diving Sporttauchen in Meeresgrotten

Tauchkurs Open Water Diver

Open Water Diver

Mein Ausbildungsprogramm erläutere ich Dir anhand von Sophie, einer 26 Jahre alten Studentin aus Köln, die mit mir genau diesen Ausbildungsweg beschritten hat. Sophie hat während ihres Auslandssemesters auf dem französischen Übersee-Département La Réunion ihren ersten Tauchschein, den „Plongeur niveau 1“, welcher dem Open Water Diver entspricht, absolviert. Gibt es einen besseren Start? Studentin müsste man sein. Nach ihrer Rückkehr nach Köln wurde sie über den Hochschulsport auf unsere Tauchreise nach Cadaqués/Spanien aufmerksam.

Unbewusst hatte Sophie genau die richtige Entscheidung getroffen. Unser Tauchurlaub in Cadaqués ist für Taucher, die gerade ihren ersten Tauchkurs bestanden haben, maßgeschneidert. An diesem malerischen Küstenort fallen die Pyrenäen ins Meer und bilden beeindruckende Felswände. Durch die Schutzzone am Cap de Creus sucht die Fischvielfalt im Mittelmeer ihres Gleichen. Und die Tauchbasis „Ulla und Paul“ bietet eine entspannte Atmosphäre, um die ersten Ausflüge im Mittelmeer zu genießen. Für Landtauchgänge stehen zwei Buchten zur Verfügung, die äußerst abwechslungsreich sind. Die Hausbucht Es Bofill ist wild und vielfältig. Die Oliguera Bucht ist geschützt, einfach zu betauchen und birgt ein Wrack.

Tauchkurs Night Diver

Night Diver

Es ist immer am dunkelsten, bevor es pechschwarz wird.
Mao Zedong, Führungspersönlichkeit und Menschenfreund

Night Diver – Warum zur Hölle sollte ich nachts Tauchen gehen? Nachtaktive Wasserbewohner zeigen sich, wie es der Name schon sagt, nun mal nur nachts. Und keine Angst, das sind nicht die Hässlichsten. Im gebündelten Schein der Lampe erstrahlen Farben in einer ganz neuen Intensität. Und ein bisschen gruselig ist das Ganze natürlich auch.

Bei den ersten Tauchgängen legte ich Wert darauf, dass Sophie lernte, ihre Ausrüstung blind zu bedienen, Routinen zu entwickeln und sich mit dem Mittelmeer anzufreunden. Wir bestimmten die richtige Bleimenge, sorgten für eine ordentliche Tarierung, konzentrierten uns auf die Tauchgruppe und übten Boje setzten und Sicherheitsstopp. Nachdem das sauber funktionierte, wechselten wir über zu Tauchgängen vom Zodiac. Nach einer knappen Woche war Sophie so tiefenentspannt, dass ich ihr anbot, zum Abschluss noch einen Nachttauchgang zu machen.

Nachttauchgänge führe ich in Cadaqués grundsätzlich nur in der Oliguera Bucht durch. Die einfache Struktur hilft den Tauchern beim Wiedererkennen der Unterwasserlandschaft, so dass sie bessere Vergleichsmöglichkeiten haben. Gleichzeitig macht es wahnsinnig Spaß die Rippen des Wracks (und das Wrack besteht nur aus ebenerdigen Rippen, also keine Gefahr) auszuleuchten.  Nachdem wir abgetaucht waren und nochmal die Unterwasserzeichen geübt hatten, ging es an der Steilwand entlang. Schon nach ein paar Metern konnte ich Sophie einen ersten Oktopus zeigen. Ihr Jagdfieber war geweckt und von da an fand eigentlich nur noch sie ständig neue Meeresbewohner. Am Wrack hatten wir Glück und sahen zwei mächtige Bärenkrebse. Allein dafür hätte sich dieser Nachttauchgang schon gelohnt. Nach 30 Minuten kehrten wir an unseren Startpunkt zurück und wurden noch von 3 Oktopussen verabschiedet. An der Tauchbasis startete gerade der Cocktailabend und so feierten wir ihren ersten erfolgreichen Nachttauchgang mit einem Gin Tonic.

Ab wann kann ich an diesem Tauchkurs teilnehmen?

Du solltest ca. 10 Tauchgänge hinter dir haben. Wichtig sind: gute Tarierung, blindes Beherrschen der Ausrüstung und dein freier Wille.

Welche Gefahren birgt ein Nachttauchgang?

Verlust der Tarierung und resultierendes, unkontrolliertes Ab- oder Aufsteigen stellen die größten Gefahren dar. Daher sollten Nachttauchgänge in sicherer Umgebung und mit erfahrenen Guides/Buddies durchgeführt werden.

Muss ich einen Nachttauchschein machen?

Nein. Ich kenne genügend Taucher, die keinen Bock auf Nachttauchgänge haben. Das ändert sich erst, falls Du irgendwann mal den Dive Master oder einen entsprechenden Tauchschein machen willst.

Sophie war nach ihrem ersten Tauchurlaub endgültig vom Tauchen begeistert. An dieser Stelle muss man häufig etwas auf die Bremse treten. Am Anfang haben Taucher häufig einen Tunnelblick und kämpfen mit ihrer Ausrüstung. Da hilft nur tauchen, tauchen, tauchen. Und mal ehrlich: es gibt Schlimmeres. Eine Karpfenschule in Widdauen ist auch schick. Und so ist Sophie immer wieder mit uns ins Wasser gesprungen. Bei einem Wochenendausflug nach Kapel Avezaath absolvierte sie ihren zweiten Nachttauchgang und erhielt endlich ihr ersehntes Specialty Kärtchen.

Tauchschein Orientierung beim Tauchen – Navigation

Wenn Du weißt, wo Du bist, kannst Du sein, wo Du willst.
Sir Reginald Pembroke, britischer Pfadfinderführer, seit einem Ausflug vermisst

SK Orientierung unter Wasser – sich unter Wasser eigenständig zurecht zu finden, gehört zu den größten Herausforderungen deiner Ausbildung. Mit einem „Tauchschein“ ist es nicht getan. Du lernst, dich an den natürlichen Gegebenheiten unter Wasser zu orientieren, übst den Umgang mit dem Kompass und versuchst, den Lichteinfall zu lesen. Letztlich gilt aber gerade hier: üben, üben, üben. Jeder Tauchplatz ist anders.

Schon bei den vorhergehenden Fun Dives hatte ich Sophie immer wieder versucht, die Struktur eines deutschen Baggersees und markante Orientierungspunkte zu zeigen. Nun nahm ich sie regelmäßig mit an den Hitdorfer See. Die Struktur ist denkbar einfach: 0-2 m Sand und Kies, 2-6 m Bewuchszone, danach Schlick.

Auf 6 m befindet sich eine Übungsplattform. Mit Hilfe des Tiefenmessers führte mich Sophie direkt beim ersten Versuch dahin. Auch ein Tauchgang entlang der Bewuchszone verlief glatt. Als nächstes absolvierte sie die obligatorischen Kompassübungen an Land. Unser Pfadfindertauchlehrer Stephan ist da immer erste Wahl. Die Übungen unter Wasser waren erstmal weniger erfreulich. Es ist immer wieder erstaunlich, wie ein neues Hilfsmittel (Kompass), die eigentlich gute Tarierung beeinflussen, besser gesagt versauen kann. Nach ein paar Anläufen gelangen Hin- und Rückkurs, Dreieck und Rechteck. Die Kombination aus natürlicher und Kompassnavigation war dann nochmal eine ganz andere Hausnummer.

Die ultimative Herausforderung war ein Tauchgang im Bleibtreusee. Noch nie betaucht. Lediglich ein Briefing. Und was soll ich sagen: perfekt gemeistert. Sophie war sehr stolz und ich natürlich auch. Völlig routiniert fand sie den Tauchgang „gar nicht schwer“. Schauen wir mal, wie der erste Orientierungsversuch im Meer aussieht.

Ab wann kann ich an dem Tauchkurs Orientierung beim Tauchen teilnehmen?

Offiziell nach ca. 15-20 Tauchgängen. Du solltest beim Tauchen so fortgeschritten sein, dass die Konzentration auf die Navigation, nicht deinen Blick auf deinen Buddy und die Umwelt verbaut oder deine Tarierung beeinfluss

Welche Gefahren birgt die Navigation?

Orientierungsverlust und daraus resultierende Panik. Orientierungsverlust ist schlecht, gefährlich ist aber meist erst der Umgang damit. Ruhig die Lage analysieren, den Buddy mit einbeziehen, Boje setzen und abholen lassen oder an der Wasseroberfläche neuen Kurs aufnehmen. Auf gar keinen Fall unter Wasser ewig den Weg suchen!

Muss ich den Tauchschein Navigation machen?

Falls Du vorhast, deinen Advanced Open Water Diver zu machen bzw. mit einem Buddy selbstständig auf Tauchgang zu gehen, dann ja. Genügen dir geführte Tauchgänge, dann nein. Egal, was Du planst: sich unter Wasser orientieren zu können, ist nie verkehrt und Übung macht den Meister.

Tauschkurs Gruppenführung

Gruppenführung – Dive Group Management

Sie müssen nicht perfekt sein, es reicht, die richtigen Dinge richtig zu machen.
Carsten Maschmeyer, Mann von Veronica Ferres und Unternehmer

SK Gruppenführung – Du bist mittlerweile ein ziemlich guter Taucher, kannst Dich ganz passabel unter Wasser orientieren und nun? Konzentrieren wir uns auf das Buddyteam! In diesem Sonderkurs lernst Du Probleme deines Tauchpartners zu erkennen und zu beheben, auf deinen Buddy positiv einzuwirken, den Überblick zu behalten, kurz zum perfekten Buddy zu werden. Ziel dieses Tauchscheines ist, erste Tauchgänge im Buddyteam zu führen.

Diesen Tauchkurs gehe ich immer sehr pragmatisch an. Natürlich könnte ich den Standardschwachsinn runter leiern: „Oh, ich habe meine Flosse verloren, etc.“ oder ich gehe etwas näher an die Realität. Sophie wurde mal eben Teil meines Teams. Nach erfolgreichen Übungseinheiten belohne ich meine Open Water Diver Aspiranten  immer mit einem kurzen Fun Dive. Also liebe Sophie, hier ist dein Buddy und ich tauche als Sicherheitsbackup hinterher. Einen 90 kg Kerl aus dem Schlick holen, der noch nicht richtig tarieren kann, ist dann doch etwas anderes, als ein Flossenband festziehen. Sophies Kommentar: „Krass, ich kann mich noch genau daran erinnern, dass das bei mir am Anfang ähnlich aussah.“ Und damit hat sie völlig Recht. Gleichzeitig lernt man Probleme kennen, die man eben noch nicht kannte. Nach ein paar solcher Tauchgänge lief es dann, wie am Schnürchen: Flaschenstand abfragen, zusammen bleiben, Tarierung kontrollieren, Probleme lösen. Am Ende habe ich dann den sterbenden Schwan gespielt und mir helfen lassen und Sophie hatte ihr nächstes Specialty im Sack.

Ab wann kann ich am Tauchkurs Gruppenführung teilnehmen?

Ab 15-20 Tauchgängen. Ich denke, das Programm wird langsam transparent. Ohne Erfahrung und ohne Grundkenntnisse der Navigation sollte man nicht anfangen zu Guiden, denn genau das lernst Du in diesem Specialty (und bei der Navigation).

Welche Gefahren birgt die Gruppenführung?

Du übernimmst immer mehr Verantwortung für deinen Buddy. Das geht nur, wenn Du mit dir im Reinen bist. Ein schlechter Gruppenführer trifft falsche Entscheidungen oder ist überfordert. Die Teilnahme an diesem Specialty sollte also nicht übereilt entschieden werden.

Muss ich diesen Tauchkurs Gruppenführung machen?

Falls Du im CMAS System unterwegs bist ja, ansonsten nicht zwingend. In meinen Augen ist dieser Kurs ein Muss. Als angehender Advanced Open Water Diver möchtest Du selbstständig mit einem Buddy tauchen gehen. Ohne Kenntnisse der Gruppenführung und Problemlösungsstrategien kann das ganz schnell nach hinten losgehen.

HLW – Erste Hilfe

Das Wichtigste ist, das der Patient atmet, wie guter Wein.
Dr. Sober, Arzt und Alkoholiker

HLW – Erste Hilfe – In diesem Kurs lernst Du alles, was wichtig ist, um deinem Tauchpartner im Ernstfall Erste Hilfe leisten zu können. Falls Du einen „normalen“ Erste Hilfe Kurs buchst, frag deinen Ausbilder nach Szenarien eines Unfalls am/im Wasser.

Ein Erste Hilfe Kurs ist kein Tauchkurs oder Specialty im klassischen Sinne. Allerdings ist der Kurs für den CMAS** Pflicht. Ich kann ihn generell nur empfehlen. Spätestens wenn Ihr beim Tauchen mehr Verantwortung übernehmen wollt (AOWD), solltet Ihr auch für Notfälle besser gerüstet sein. Sophie buchte bei den örtlichen Anbietern, wie Rotes Kreuz, Malteser oder ASB, ihren Erste Hilfe Kurs. Der kostet nur 40 € und sie wurde von Profis unterrichtet. Hiermit möchte ich engagierte Tauchlehrer, die HLW Kurse anbieten nicht herabwürdigen, aber machen wir uns nichts vor, die Rettungsorganisationen kommen nun mal aus der Praxis und sind immer up to date.

Ab wann kann ich an einem Erste Hilfe Kurs teilnehmen?

Sofort.

Welchen Gefahren birgt ein HLW – Erste Hilfe Kurs?

Keine.

Muss ich diesen Schein machen?

Häufig spätestens für fortgeschrittene Tauchscheine. Ich empfehle ihn auch Tauchanfängern.

Das Programm für ihre Tauchsafari in Ägypten klang nach einer Menge Holz, aber unsere liebe Sophie war auch keine Anfängerin mehr. Die gute Frau hatte 50 Tauchgänge auf dem Deckel und drei komplette Specialties absolviert, kannte kaltes Wasser, schlechte Sicht und Wellengang. Da ist das Rote Meer die reinste Badewanne. Als ich unsere jährliche Tauchsafari in Ägypten ausgeschrieben hatte, war sie eine der Ersten, die buchte. Das passte natürlich hervorragend in unser Ausbildungsprogramm.

Tauchsafaris sind normalerweise Tauchern mit Tauchscheinen ab Advanced Open Water Diver vorbehalten. Da wir überwiegend mit Tauchanfängern arbeiten, bieten wir dementsprechend anfängertaugliche Touren an. Wir beginnen mit einem Check Dive und relativ flach und arbeiten uns dann in der Woche mit Theorie und Praxis voran. Gleichzeitig bieten wir immer einfache und anspruchsvollere Tauchgänge parallel an, damit niemand zu kurz kommt oder überfordert wird.

Nitrox Kurs

Nitrox Tauchschein

Luft besteht aus 78 % Stickstoff, 21 % Sauerstoff und 1 % Chuck Norris
Studie der Trump University

Nitrox Diver – das Tauchen mit sauerstoffangereicherter Luft birgt offensichtliche Vorteile. Teile des Stickstoffs werden durch Sauerstoff ersetzt. Durch den geringeren Stickstoffanteil kannst Du von längeren Nullzeiten profitieren. Wenn es Dir in aller erster Linie um Sicherheit geht, nutze die Nullzeiten von Luft und die daraus resultierende geringere Aufsättigung mit Stickstoff. Die meisten Taucher fühlen sich nach Tauchgängen mit Nitrox deutlich fitter.

Unsere  Märzsafari führte uns von Hurghada nach Ras Mohammed. Nach unserer Ankunft am Samstagabend verstauten wir unsere Ausrüstung und bezogen die Kabinen. Die übliche Sicherheitseinweisung wurde durchgeführt, es gab das erste, leckere, ägyptische Abendessen und danach war Feierabend. Die Abfahrt verzögerte sich am Sonntag erwartungsgemäß bis Mittag, da erst noch die Abnahme durch die Küstenwache erfolgen musste. Der Sonntagvormittag gehörte der Nitrox Theorie. Zugegebenermaßen ist die Nitrox Theorie ziemlich trocken. MOD, Best Mix, equivalente Lufttiefe und, und, und. Berechnungen, Formeln, nicht unbedingt das, was man sich unter Urlaub vorstellt. Dafür konnte Sophie ihre erste Nitrox Mischung bei strahlendem Sonnenschein analysieren und kurze Zeit später in der Praxis Probe tauchen. Auch wenn sie mit La Réunion einen tollen Start hingelegt hatte, war sie von ihrem ersten Tauchgang im Roten Meer total geflasht. Vielleicht lag es ja auch an der extra Dosis Sauerstoff. Auf unserem Tauchboot, der „MY Princess Basma“, wird der Ansaugluft reiner Sauerstoff zugeführt. Das sieht abenteuerlich aus, funktioniert aber ganz gut. So wurden wir standardmäßig mit 31-32 % Nitrox Mischungen versorgt, was für diese Herstellungsmethode ganz ordentlich ist. Nach ihrem ersten Nitrox Tauchgang musste Sophie dann noch ihre schriftliche Prüfung abliefern und bestanden war der Nitrox Diver.

Ab wann kann ich an einem Nitrox Kurs teilnehmen?

Einige Tauchverbände bieten den Nitrox Diver direkt mit dem Open Water Diver an. Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden.

Welche Gefahren birgt Nitrox tauchen?

Ab einem Partialdruck von 1,6 bar O2 wirkt Sauerstoff toxisch. Durch den erhöhten Sauerstoffanteil verringern wir unsere Einsatztiefe und unsere Sauerstofftoleranz. Daher empfehle ich maximal 2 Nitrox Tauchgänge pro Tag.

Muss ich den Nitrox Tauchschein machen?

Nein. Generationen von Sporttauchern sind mit stinknormaler Luft getaucht. Allerdings liegen die Vorteile von Nitrox auf der Hand.

Deep Diver Kurs

Deep Diver

In Wirklichkeit erkennen wir nichts; denn die Wahrheit liegt in der Tiefe.
Demokrit, griechischer Philosoph und Berufsklugscheißer

Deep Diver – als Open Water Diver ist die Tauchtiefe auf 18 m limitiert, was absolut vernünftig ist. Auf Dauer kommt man damit aber nicht weit. In diesem Specialty lernst Du alle Sicherheitsregeln, die bei Tauchgängen bis auf 40 m zur Anwendung kommen. Großer Wert wird auf die Arbeit  mit Tauchtabellen und dem Tauchcomputer gelegt. Geübt werden der Umgang mit dem Tiefenrausch, der Deep Stopp etc.

Unser Tauchboot nahm langsam Fahrt auf und je weiter wir uns von Hurghada entfernten, umso höher wurde die Wahrscheinlichkeit auf tiefe Tauchgänge. Daher folgte am zweiten Abend die Deep Diver Theorie. Nach der anstrengenden Nitrox Theorie war das geradezu eine Wohltat. Ich ging mit Sophie ein paar praktische Übungen durch. Beispielsweise rechneten wir die Tauchgänge des nächsten Tages durch.

Da Sophie eine sehr entspannte Taucherin ist, planten wir den Early Morning Dive auf 30 m, um uns Luft nach unten für die weiteren Tauchgänge zu erhalten. Zu den wichtigsten Regeln beim Tieftauchen gehören: gute Planung, klare Absprachen, nichts Erzwingen, ständige Kommunikation und Überwachung unter Wasser und niemals tiefer gehen, als geplant.  An diesem Morgen wurden wir mit spiegelglattem Meer und hervorragenden Sichtweiten belohnt. Als ich in 20 m Tiefe Sophies OK abfragte, konnte man immer noch die Wasseroberfläche sehen. Unter diesen Bedingungen tauchten wir ganz entspannt auf 30 m ab. Nach einem zweiten Tauchgang auf 25 m stellte Sophie die alles entscheidende Frage: „Also die Tauchgänge waren schön, aber was an der Tiefe so besonders sein soll, habe ich jetzt nicht verstanden?“ Genau mein Reden. Ich war noch nie ein Freund von ständig tief, tief, tief. Oben ist es warm, bunt und voll mit netten Fischlis. Dass es aber doch Gründe für Tieftauchgänge geben kann, lernte Sophie am darauffolgenden Tag an den Wracks von Abu Nuhas.

Nach unseren Tauchgängen an der „Marcus“ und der „Giannis D.“ organisierte ich abends heimlich eine Tauchertaufe, denn unserer Sophie war völlig entgangen, dass sie sich über drei neue Tauchscheine freuen konnte: dem Nitrox Diver, dem Deep Diver und dem Advanced Open Water Diver. Beim nächsten Early Morning Dive fehlte übrigens die Hälfte der Gäste. Ausschlafen muss wohl auch mal sein.

Ab wann kann ich an einem Deep Diver Tauchkurs teilnehmen?

Der VDST sagt 10-20 Tauchgänge, dem schließe ich mich an. Abhängig ist das Ganze von den Sichtbedingungen, der Temperatur, dem Sicherheitsempfinden des Tauchschülers und der psychischen Verfassung. In der Tiefe darf man nicht erzwingen.

Welche Gefahren birgt ein Tieftauchen?

In der Tiefe wird verstärkt Stickstoff aufgesättigt, der Tiefenrausch droht und unkontrolliertes Aufsteigen in Folge von Panik kann im Dekounfall enden. Daher sollte man sich behutsam in die Tiefe vortasten und nur an Tauchgängen teilnehmen, bei denen man sich auch wirklich wohl fühlt.

Muss ich das Deep Diver Specialty machen?

Wenn Du dich weiterentwickeln möchtest, ist dieses Specialty Pflicht. Dein Open Water Diver limitiert Dich nun mal auf 18 m. Allerdings kann man auch sein Leben lang auf 10 m rumdümpeln und glücklich sein.

Advanced Open Water Diver (AOWD)

Advanced Open Water Diver

Ich habe den Advanced direkt nach dem Open Water Diver gemacht. Es war wie eine Sucht.
Christine „Christel“ Meff, Chemielehrerin und Gründerin der „Anonymen Sporttaucher*innen“

Advanced Open Water Diver – ich führe diesen Tauchkurs hier auf, da der AOWD letztlich keine eigene Theorie + Praxis beinhaltet, sondern aus 5 Specialty Tauchgängen besteht. Pflicht sind der Deep Diver und Navigation. Die restlichen 3 Specialties können in der Regel frei aus dem Programm des jeweiligen Verbandes gewählt werden.

Der Haken beim Advanced Open Water Diver ist, dass Du jeweils nur einen Tauchgang des jeweiligen Specialties absolvierst, Du also am Ende Advanced Open Water Diver bist, ohne die Sonderkurse abgeschlossen zu haben. Darum empfehle ich mein Ausbildungsprogramm. Abgesehen von dem mehr an Erfahrung und Wissen (und Tauchscheinen), die Du dadurch erwirbst, bringt es dich auch in eine bessere Verhandlungsposition für den Advanced Open Water Diver.

Da Sophie bereits 3 Specialties nach Ägypten mitbrachte, machten wir folgenden Deal: sie erhielt die vollständigen Ausbildungen Nitrox Diver und Deep Diver, 10 Nitroxtauchgänge und den Advanced Open Water Diver inkl. Tauchscheinen. Die Tauchgänge hatte sie eh bezahlt und ich sparte mir 6-9 Stunden Theorieunterricht (für die bereits absolvierte Specialty Theorie).

Ab wann kann ich an einem AOWD Tauchkurs teilnehmen?

Offiziell kann man den Advanced Open Water Diver direkt an den Open Water Diver anschließen. Ich rate davon ganz massiv ab.

Welche Gefahren birgt der AOWD Tauchschein?

Die Ausbildung praktisch keine, die Absolventen schon. Frisch gebackene Advanced Open Water Diver, die ihre Ausbildung direkt an den Open Water Diver angeschlossen haben, neigen leider häufig zu massiver Selbstüberschätzung. Bitte verwechselt Euphorie nicht mit Erfahrung! Ich freue mich über jeden motivierten Taucher, aber ein ADAC Fahrtraining macht auch niemanden zum Formel 1 Piloten. Nehmt Euch die Zeit und genießt eure Tauchgänge!

Muss ich den Advanced Open Water Diver Tauchschein machen?

Wenn Du dich weiterentwickeln möchtest, ja. Alternativ könntest Du die CMAS** Ausbildung absolvieren. Hier wird viel weiterführende Grundlagentheorie vermittelt, es gibt u.a. Apnoe- und Rettungsübungen. Es ist schwer, diese Tauchscheine zu vergleichen. Ich würde sagen, der AOWD geht in die Breite, der CMAS** in die Tiefe.

Specialty Marine Biologie

Sonderkurs Meeresbiologie

Wenn man Fische studieren will, wird man am besten selber zum Fisch.
Jacques-Yves Cousteau

SK Meeresbiologie – in diesem Spezialkurs wird interessantes Wissen über den Lebensraum „Meer“ vermittelt. Neben den Meeresbewohnern wird auf Pflanzen und häufig auch die Geologie des Meeres eingegangen.

Auf dieser Tour war unser Tauchlehrer Tobi dabei, der auf Wunsch der Gäste an einem Abend einen Vortrag über Meeresbiologie hielt. Dank der vielen Eindrücke, die tagtäglich unter Wasser auf einen einprasselten und dem fesselnden Vortrag unseres Biologie Doktors in spe Tobi wurde daraus ein spannender Abend. Worauf unsere Gäste nicht gefasst waren, war der Umstand, dass ich im Vorfeld heimlich Kärtchen gedruckt hatte und ihnen nun die Tauchscheine für ihr kostenloses Meeresbiologie Specialty überreichen konnte.

Dieses Specialty ist lediglich eine passende Ergänzung des eigentlichen Ausbildungsprogrammes.

Ab wann kann ich an diesem Tauchkurs teilnehmen?

Praktisch mit jedem Tauchschein.

Welche Gefahren birgt der SK Meeresbiologie?

Keine.

Muss ich diesen Tauchschein machen?

Nein. Tauchkurse dieser Kategorie dienen der zusätzlichen Wissensvermittlung für interessierte Sporttaucher.

Intermission

Vor einem Jahr hatte Sophie bei mir ihre Spanienreise gebucht. Damals startete sie mit dem Plongeur niveau 1 (Open Water Diver) und 4 Tauchgängen. Ein Jahr später stand folgendes zu Buche:

  • Night Diver
  • SK Orientierung beim Tauchen
  • SK Gruppenführung
  • HLW – Erste Hilfe
  • Nitrox Diver
  • Deep Diver
  • Advanced Open Water Diver
  • SK Meeresbiologie
  • 70 Tauchgänge

Wer sich den Ablauf anschaut wird erkennen, dass zu keinem Zeitpunkt gehetzt wurde. Jeder Tauchkurs wurde sauber absolviert und neben der Ausbildung für die einzelnen Tauchscheine fanden zahlreiche Fun Dives statt. Mittlerweile hatte ich Sophie für unsere Tauchschule rekrutiert, da nicht absehbar war, dass ihre Tauchleidenschaft nachlassen könnte.

Im darauf folgenden Sommer hatte Sophie die 100 Tauchgänge Schallmauer durchbrochen, was ihr eine Einladung in den exklusiven Explorers Club einbrachte.


Den Explorers Club habe ich vor 4 Jahren im Umfeld der Tauchschule gegründet. Natürlich handelt es sich dabei weder um einen Club, geschweige denn um einen Verein. Ich plane Tauchtouren und überlege mir, wen ich gerne dabei hätte und ob Derjenige für die anstehenden Tauchgänge geeignet ist. Dann lade ich die Leute dazu ein (also ideel, nicht finanziell). Da wir uns dabei gerne mal in Gefilden bewegen, die, was die Tauchsicherheit betrifft, eher unerschlossen sind, erwarte ich eine entsprechende Ausbildung, Eigenverantwortlichkeit  und psychische Stabilität.

Der Jahreswechsel 2017/2018 sollte uns für 4 Wochen auf die Philippinen führen. Meine Vorgabe für Silvester war: Palme, Strand, Schirmchencocktail. Da das für 4 Wochen ein etwas dünnes Programm ist, hatte unser Südostasienexperte Johannes eine bunte Tour von Sabbang über Coron nach Palawan geplant. Die Wracks von Coron waren ein Highlight und Sophie war mit an Bord.

Wracktauchen

Tauchkurs Wrack Tauchen

Ich bin der König der Welt!
Jack Dawson, Passagier 3. Klasse, RMS Titanic

Wreck Diver – ein Wrack betauchen ist eine Sache. In ein Wrack hinein zu tauchen eine ganz andere. Wer irgendwann damit aufhören will, einfach nur blöd ums Wrack drum herum zu tauchen, kommt an diesem Kurs nicht vorbei. Man erlernt den Umgang mit Reels und Lampen, legt eine Führungsleine und lernt alles was wichtig ist, um aus einem Wrack wieder heraus zu kommen.

Sobald es Johannes Brieftasche zuließ, war er in den letzten Jahren immer wieder auf die Philippinen geflogen, so dass es nicht verwunderte, als er auch seine Tauchlehrerausbildung in Sabbang absolvierte. Als geschichtlich interessierter Mensch war mit bewusst, dass es rund um die Philippinen von Wracks nur so wimmelte. Und da Johannes Wracktauch Tauchlehrer ist, lag es nah, einen Abstecher nach Coron zu machen.

Johannes Plan sah folgendermaßen aus:

  • Theorie
  • 1. TG: LCU/Landing Craft Unit: anzeigen von Gefahrenstellen und hinterher Skizze vom Wrack
  • 2. TG: El Capitan: Besichtigungstauchgang, kein Eindringen
  • 3. TG: El Capitan: Eindringen an der Leine des TL´s mit Übungen
  • 4. TG: El Capitan: Eigene Führungsleine legen und Eindringen

Ursprünglich wollten wir die legendäre USS New York betauchen, aber da gerade ein amerikanischer Kreuzer in den Hafen kam, durften in der näheren Umgebung keine Tauchgänge stattfinden. So ist das halt manchmal.

Das LCU Wrack liegt in einer Tiefe von 10-21 m. Leider sind die Sichtbedingungen zum Jahreswechsel nicht immer die Besten. Wir ließen uns unter Wasser ausgiebig Zeit um potenzielle Gefahrenpunkte zu erkennen und erste Skizzen anzufertigen. An Land vollendeten wir dann unsere Kunstwerke und verglichen sie.

Nur weil man auf den Philippinen nicht den Hauptgewinn bekommt (USS New York), heißt es nicht, dass der zweite Preis (EL Capitan) der Zonk ist. Die El Capitan ist mit 90 m Länge immer noch ein ziemlicher Klopper und mit Tauchtiefen von 5-20 m war es ideal für unser Vorhaben geeignet. Bei unserem zweiten Tauchgang zeigte uns Johannes das gesamte Wrack, machte uns auf Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten aufmerksam und was es so zu sehen gab.

Beim dritten Tauchgang ging es endlich in das Wrack hinein. Johannes befestigte die Führungsleine und wir folgten ihm in das Wrack. Er zeigte uns, wie man sich an der Leine entlang führt, wie sie im Wrack richtig befestigt wird und wie man ihr blind folgt und wendet.

Nun waren wir gefordert. Nach dem Motto „Ladies first“ durfte Sophie als erste ran und leistete hervorragende Arbeit. Die Führungsleine saß und wir folgten. Bei der Nachbesprechung gab es von Johannes Manöverkritik. So hatte der ein oder andere von uns zu viel Gebamsel am Jacket, mit dem man sich hätte verhängen oder die Führungsleine beschädigen können. Sowas kann schnell mal ins Auge gehen.

Am Abend feierten wir ausgiebig Sophies nächstes, erfolgreich absolviertes Specialty.

Ab wann kann ich an einem Wracktauchen Tauchkurs teilnehmen?

Ab AOWD oder gleichwertigem Tauchschein. Du solltest so erfahren sein, dass Du Gefahrensituationen frühzeitig erkennst und besonnen reagierst. Perfekte Tarierung ist selbstverständlich.

Welche Gefahren birgt das Wracktauchen?

Verhängen, Vertauchen, Sterben. Sorry, der Kindergarten ist vorbei. Fehler werden hier nicht verziehen. Wer Wracktauchen möchte, muss vernünftig ausgebildet und psychisch stabil sein.

Muss ich den Wreck Diving Tauchschein machen?

Nein. Ich habe schon viele, wunderschöne Wracks betaucht, ohne einzudringen und die Tauchgänge waren super. Wenn man aber entsprechend motiviert und ausgeglichen ist, sind Wracktauchgänge eine neue Tauchwelt.

Cavern Diving Tauchkurs

Cavern Diver 

Es gibt mutige und es gibt alte Höhlentaucher; mutige, alte Höhlentaucher gibt es nicht.
überbewerteter Höhlentaucherspruch

Cavern Diver – Cavern und Cave sind zwei Welten. Cavern bedeutet, dass in der Grotte Tageslicht vorhanden ist, man also innerhalb kürzester Zeit entweder auf- oder austauchen kann. Dadurch ist das Sicherheitsrisiko minimiert und man kann erste Eindrücke sammeln, ob man vielleicht später auch ins Höhlentauchen einsteigen möchte.

El Nido ist das Backpacker Paradies auf Palawan. Ich möchte mich jetzt nicht zu Backpackern äußern, weil ich wahrscheinlich zu alt bin, um die Instagram und Tik Tok Generation zu verstehen. Von Geheimtipp kann jeden Falls nicht die Rede sein. Ein Paradies ist es alle mal. Erinnerungen an „The Beach“ kamen hoch, wenn ich morgens meinen Kaffee am Strand getrunken habe.

Unser Sehnsuchtsziel war die Cathedral Cave. Da dort viele Touriboote hinfahren und die Grotte auch stark von den Gezeiten beeinflusst wird, war Timing alles. Glücklicherweise hatte es unser TL drauf. Ich will jetzt nicht zu viel erzählen, schaut Euch die Videos im Internet an. Oder besser gesagt: ich kann Tauchgänge in Meeresgrotten gar nicht beschreiben. Das Lichtspiel ist so unfassbar schön, dass ich einen Tauchurlaub nur mit Cavern Tauchgängen verbringen könnte. Ob es mich auch irgendwann mal in die Höhle zieht? Vielleicht. Aus Frankreich habe ich schon tolle Geschichten gehört.

Abends schmiss Sophie eine Runde San Miguel (das kommt übrigens ursprünglich von den Philippinen!) auf ihr nächstes Specialty. Glückwunsch!

Den Rest der Tour verbrachten wir am Wasser, im Wasser und unter Wasser  oder bei Rum (Don Papa!), herrlich.

Ab wann kann ich an dem Cavern Diving Tauchkurs teilnehmen?

In der Regel ab Advanced Open Water Diver oder entsprechendem Tauchschein. Nachttaucherfahrung wird empfohlen oder gefordert. Auch hier sollten Tarierung und psychische Stabilität gegeben sein.

Welche Gefahren birgt ein Grottentauchgang?

Grundsätzlich natürlich auch das Verhängen mit resultierender Panik. Da aber der Ausgang jederzeit erreichbar ist, wird das Risiko minimiert. Ich gehe mit Dir eher in eine Grotte, als in ein Wrack.

Muss ich diesen einen Cavern Diving Tauchkurs buchen?

Nein. Er ist nur eine schöne Ergänzung. Wenn Du keine Lust auf Grotten hast, dann lass es. Allerdings verpasst Du was…

Scientific Diver

Scientific Diver

Was ist denn das?" – „Das ist die Bundeslade.“ – „Sicher ?“ – „Ganz sicher!
Dr. Henry Walton „Indy“ Jones Jr.

Mein Ausbildungsschema zielt darauf ab, Dich bestmöglich für ein spannendes Taucherleben zu präparieren. Nach 2 Jahren war Sophie so weit, dass sie praktisch an jedem angebotenen Sporttauchgang teilnehmen konnte und sich dabei sicher und wohl fühlte. Aber es gibt noch unfassbar viel mehr Specialties und Sonderkurse, die man absolvieren kann. In dieser Kategorie möchte ich kurz auf Kurse eingehen, die dein Wissensspektrum und deine Fertigkeiten erweitern.

Während unserer Ägyptentour hatten wir zufällig einen Biologen an Bord, der uns einen spannenden Einblick in die Meeresbiologie geben konnte. Er beließ es nicht bei einer „Fischbestimmung“, sondern erzählte uns auch etwas über die Entstehung des Roten Meeres. Am Ende des Abends waren wir alle schlauer und betrachteten bei unserem nächsten Tauchgang die Unterwasserwelt mit ganz neuen Augen.

Ich bin von Haus aus Unterwasserarchäologe. Auch hier gibt es interessante Tauchkurse für Sporttaucher. Ist es nicht spannend, wenn man erst einen kurzen Vortrag über ein Seegefecht hört und im Anschluss das versenkte Schiff betaucht?

Die Liste ist unendlich: Technik, Tarieren in Perfektion, Shark Diving … Ob Ihr diese Kurse besucht oder ob sie Euch weiterbringen, müsst Ihr entscheiden. Für eure eigentliche Tauchentwicklung sind sie eher nebensächlich.

Fun Diver

Fun Diver


Moisture is the essence of wetness,  and wetness is the essence of beauty.
Derek Zoolander, Merman and Model

Mein aktueller Favorit unter den Spaß Specialties ist: Der „Stör Diver“, natürlich gefolgt vom Klassiker, dem „Mermaid Diver“. Ich bin gerade dabei den „Advanced Carp Diver“ zu entwickeln. Verstehste! Wir reden hier von Kursen, die jeden offensichtlichen Sinn entbehren (ich hoffe, so denken die Tauchsportverbände auch). Wer sich den Mermaid Diver als persönliche Weiterentwicklung verkaufen lässt, hat es nicht besser verdient oder ganz schwerwiegende Probleme.

Aber darum geht es ja auch nicht. Es geht um Spaß! Und da gibt es so viele Sachen, die man machen kann. In Florida kann man für 750 $ einen Helikopter Dive buchen. Rein in den Heli, Tür auf, ab ins Wasser. Why not! Und genau so sehe ich Kurse dieser Kategorie. Wer Spaß daran hat, soll es machen. Unser Sport ist dazu da, dass Ihr Euch wohl fühlt. Wenn Ihr dafür ein Meerjungfrauenkostüm braucht, bitte. Ich bin Kölner. Sowas begegnet einem hier  im Supermarkt.

Fazit

Die Welt der Specialties ist wahnsinnig bunt und man wird mit Angeboten regelrecht zu gebombt. Eine deiner wichtigsten Eigenschaften sollte daher Geduld sein. Ich weiß, das fällt schwer, wenn man von einer Sache begeistert ist, aber Geduld wird in diesem Fall belohnt. Du wirst jeden einzelnen Schritt nur umso mehr genießen und negative Erfahrungen weitestgehend vermeiden.

Mein Ausbildungsprogramm schärft deine Selbstwahrnehmung und lässt Dich in kurzer Zeit wachsen, ohne durch Tauchkurse hindurch zu hetzen. Wenn Du auf halber Strecke sagst, „ich mach ab jetzt mein eigenes Ding“, dann habe ich meinen Job getan (oder Dir ist nicht zu helfen). Du bist so selbstreflektiert, dass Du deine eigenen, richtigen Entscheidungen treffen kannst. Niemand wird Dir im Urlaub einen Tauchschein andrehen, von dem Du im Nachhinein denkst, warum habe ich den Blödsinn gebucht.

Bis Du an diesem Punkt angekommen bist, heißt es aber tauchen, tauchen, tauchen. Denn letztlich ist es vor allem die Praxis, die Dich weiter bringt. Das sollte deine wichtigste Erkenntnis sein. Und wenn aus der Praxis der Wunsch nach weiterer Ausbildung erwächst, warten viele, spannende Specialties auf Dich.

Geschrieben von
Matthias Heine
Archäologe, Forschungstaucher, Tauchlehrer
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